Nicolaus Cusanus Gymnasium,  Reuterstraße 51, 51465 Bergisch Gladbach

Die Welle - Literaturkurs feiert Premiere am NCG

Zwischen Schauspiel und Realität

Minutenlanger, tosender Applaus in der vollbesetzten Sporthalle: Am Freitagabend, den 03.07., überzeugte der Literaturkurs der Q1 des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums unter der Leitung von Frau Prothmann mit der Premiere des Stückes „Die Welle“. Monatelang hatten sich die 22 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrer Lehrerin vorbereitet und hart geprobt und das mit riesigem Erfolg.

Die Inszenierung basiert auf dem Roman von Morton Rhue und der Theaterfassung von Reinhold Tritt. Die Geschichte beginnt harmlos: Um seiner Klasse zu demonstrieren, wie Faschismus funktioniert, startet der Geschichtslehrer Ben Ross ein psychologisches Experiment. Unter den Maximen „Macht durch Disziplin“ und „Macht durch Gemeinschaft“ entsteht die Bewegung „Die Welle“.

Besonders tiefen Eindruck hinterließen die schauspielerischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler. Die Rolle des Lehrers Ben Ross, gespielt von Rayan Riaz und Jörn Linnebrink, traf perfekt die Balance zwischen der anfänglichen Faszination und der späteren Angst vor dem blinden Gehorsam der Klasse. Das ideale Gegenstück zu ihm bildete Laurie Saunders, gespielt von Sophia Lorej, die als eine der wenigen den Mut aufbrachte, sich gegen den Strom zu stellen. Durch das großartige Bühnenbild und die starken Emotionen wirkte jede Geste und jede Zeile des Textes wie ein wahrhaftiges Geschehen, das mit seiner enormen Spannung jeden einzelnen Zuschauer fesselte.

Die energetische Dynamik wurde besonders durch den Außenseiter Robert Billings, gespielt von Berzan Merci, deutlich, der eine Zuflucht in der Bewegung suchte. Genau diese Zuflucht und die damit verbundene Radikalisierung bescherte dem Publikum eine Gänsehaut. Die Emotionen wirkten täuschend echt und warfen ein ganz neues Licht auf das Geschehen. Das gesamte Ensemble sorgte für atemberaubende Momente und bescherte jedem Einzelnen einen beeindruckenden und überwältigenden Abend. Die Akteure nutzten den gesamten Saal, um Gefühle wie Chaos, Zerstörung und gefährliche Faszination greifbar zu machen. Gleichzeitig boten sie eine Geschichte voller Metaphorik, die das Publikum tief zum Nachdenken anregte.

Der Regie gelang es durch das geschickte Bühnenbild und kurze, prägnante Szeneneinschübe, wie das wiederkehrende Symbol der Welle, aber auch durch gezielte Farbkontraste und musikalische Veränderungen, die Eskalation der Situation greifbar zu machen. Als der Lehrer den Schülern am Ende des Experiments schließlich schockierend vor Augen führte, wer ihr wahrer „Führer“ ist, herrschte im Saal betroffenes Schweigen. Die Emotionen kochten über, und auf der Bühne bot sich ein Schauspiel aus Chaos, Zerstörung und bitterer Erkenntnis, das allen den Atem stocken ließ. In diesem Moment wurde deutlich, dass hier etwas Großartiges geschaffen wurde und sich die monatelange Arbeit ausgezahlt hat, um den Höhepunkt des Stückes zu unterstreichen und jedem die eigentliche Botschaft vor Augen zu führen.

Der Abend bewies eindrucksvoll, wie die Grenzen des klassischen Schauspiels überschritten und dadurch unbeschreibliche Gefühle freigesetzt werden können. Jeder Mitwirkende hat an diesem Abend Außergewöhnliches geleistet und gezeigt, was gemeinsam möglich ist. Zum Schluss bleibt nur zu sagen, dass dies eine sehenswerte Inszenierung des Stückes „Die Welle“ war, die man so schnell nicht vergisst, was auch der minutenlange Applaus für das Ensemble am Ende des Auftritts eindrucksvoll bestätigte.

Ein großer Dank gilt allen Beteiligten, die diesen Abend möglich gemacht haben. Ein besonderer Dank geht an Frau Fritz für die Anschaffung der Bühne und der Mikrofone. Ein weiterer Dank gilt der Technik-AG des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums, ohne die es an diesem Abend weder Licht, Ton noch Videotechnik gegeben hätte. Der größte Dank gebührt jedoch dem Literaturkurs und Frau Prothmann, die dieses Projekt mit so viel Tränen und Schweiß erfüllt haben, um dem Publikum einen unvergesslichen Abend zu bescheren. Sie haben bewiesen, dass die Kultur am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium wieder absolut lebendig ist.

- Elias Reiter

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