Den Unterricht ins Amtsgericht verlegt [KStA]

BESINNUNGSTAGE Schüler eines Gymnasiums wohnten Verhandlungen bei und lernten dort Grundlagen der Rechtsprechung kennen

Bergisch Gladbach. Am Anfang steht das Warten. Die Vorsitzende Richterin und die beiden Schöffen haben längst Platz genommen, die Staatsanwältin in ihrer schwarzen Robe ebenfalls, und auch die Schriftführerin sitzt schon vor dem Computer - bereit, den Verhandlungsverlauf zu protokollieren. Auf dem Gang warten zwei geladene Zeugen, denen die Nervosität anzusehen ist. Im Saal telefoniert die Verteidigerin hektisch. Denn nur einer fehlt: der Angeklagte, dem versuchte räuberische Erpressung vorgeworfen wird.

Thema Lebensglück

Die große Uhr über der Tür des Sitzungssaals im Bensberger Amtsgericht tickt, die Zeit verrinnt, die Minuten vergehen - und mit ihnen die Geduld des Gerichts. "Angeklagte, die nicht erscheinen, kommen nicht ungeschoren davon", sagt die Richterin Birgit Brandes mit professioneller Strenge und blickt in Richtung Zuschauerbänke. Denn während der Stuhl des Angeklagten immer noch leer ist, sind hier alle Plätze besetzt.

Der Kurs "Evangelische Religion" der Jahrgangsstufe 11 des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums (NCG) hat den Unterricht ins Amtsgericht verlegt. "Der Besuch ist Teil der dreitägigen Besinnungstage zum Thema Lebensglück", erklärt der Lehrer David Boakye-Ansah. Wie das NCG nutzen viele Schulen regelmäßig die Möglichkeit, Rechtsprechung nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern live als Zuschauer im Gerichtssaal zu erleben.

"Das ist auch äußerst sinnvoll und eine gute Aufklärung", sagt Amtsgerichtsdirektorin Johanna Saul-Krickeberg. Denn viele Grundlagen der Rechtsprechung seien den Schülern oft unbekannt. Nach Möglichkeit nehme sich der Richter in den Pausen etwas Zeit, um die Aufgabe der Schöffen, den Gang der Verhandlung oder den möglichen Strafrahmen zu erläutern. Auch die Rolle des Staatsanwaltes müsse oft erklärt werden oder dass "der Angeklagte verpflichtet ist, vor Gericht zu erscheinen." Letzteres ist den Schülern schnell klar, einigen Angeklagten allerdings offensichtlich unbekannt. Denn auch der praktische Anschauungsunterricht für die Klasse 8 vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, die von Lehrerin Elke Weiland begleitet wird, bleibt graue Theorie. Gleich zwei Verhandlungen, geleitet von Jugendrichter Berthold Sellmann, können nicht stattfinden, weil einer der Angeklagten ohne Erklärung fernbleibt, der andere eine fadenscheinige Entschuldigung abgibt.

Doch Sellmann hat schon vieles erlebt, gibt eine kurze Einführung in das Jugendstrafrecht, dessen Ziel es sei, Angeklagte dazu zu erziehen, sich regelkonform zu verhalten, spricht von den Schwierigkeiten der Wahrheitsfindung: "Gut, dass wir hier keine Holzdecken haben, denn hier wird oft gelogen, dass sich die Balken biegen." Diesen Eindruck können die NCG-Schüler nicht haben: Der Angeklagte in der zweiten an ihrem Vormittag angesetzten Verhandlung ist zwar pünktlich erschienen, schweigt dafür aber beharrlich.

Schuld oder Unschuld

So ist das Gericht auf die Zeugenaussagen angewiesen, um zu klären, ob der Angeklagte Betäubungsmittel an Minderjährige abgegeben hat. "Gerade wenn man von der eigenen Unschuld überzeugt ist, sollte man erscheinen und das darlegen", wundert sich Marie (16), die später Jura studieren möchte und bereits ein Praktikum bei einem Rechtsanwalt gemacht hat. In der Pause nach der Beweisaufnahme diskutieren die Jungen und Mädchen über Schuld und Unschuld und das zu erwartende Strafmaß.

"Ich denke, dass der Mann nicht freigesprochen wird, weil die Zeugenaussagen schlüssig waren", vermutet Merit (16) und soll recht behalten. Das Urteil lautet am Ende: acht Monate auf Bewährung. Damit folgt das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin, während der Verteidiger Freispruch für seinen Mandanten gefordert hatte. "Es überrascht mich jetzt schon, dass das Strafmaß, das die Staatsanwältin gefordert hat, komplett übernommen worden ist", wundert sich Niklas (17). "Obwohl mir schon klar ist, dass Drogenbesitz strafbar ist."

Andere Kursteilnehmer rätseln darüber, warum der Verurteilte nicht ins Gefängnis muss. "Wir fangen immer erst langsam an; es sei denn, man hat die Oma umgebracht", erklärt Brandes mit einem leichten Lächeln. "Das ist jetzt hier ein Warnschuss für den Angeklagten, der sich drei Jahre straffrei halten muss. Sonst wird die Bewährung widerrufen."

Und wie geht man mit der Verantwortung um, mit dem Zweifel? "Im Zweifel für den Angeklagten", sagt die Vorsitzende Richterin entschieden und erklärt darüber hinaus: "Ich kann eher damit leben, einen Schuldigen freigesprochen, als einen Unschuldigen verurteilt zu haben."

 

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