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Im Seneca stöbern und rätseln PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Stefanie Jooss [KStA]   
Sonntag, den 13. Dezember 2009 um 00:00 Uhr

LATEIN Alessia Heider vom NCG gewann den landesweiten Schülerwettbewerb "Certamen Carolinum"

Alessia Heider vom Nicolaus-Cusanus-Gymnasium. (Bild: Roland U. Neumann)
Bergisch Gladbach. Der römische Autor Sallust ist zwar seit mehr als 2000 Jahren tot. Trotzdem kann er uns etwas über die aktuelle Weltwirtschaftskrise lehren. Latein, die Sprache von Caesar, Cicero und Sallust, gilt als ausgestorben. Viele Gedanken, die in ihr formuliert wurden, sind bis heute aktuell. Das zu zeigen, ist Ziel des landesweiten Schülerwettbewerbs "Certamen Carolinum", der jährlich ausgetragen wird. Eine junge Bergisch Gladbacherin hat ihn gewonnen: die 17 Jahre alte Alessia Heider vom Nicolaus-Cusanus-Gymnasium. Während andere über Latein die Nase rümpfen, stöbert sie gerne in alten Schriften von Seneca und Sallust. "Lateinische Texte zu übersetzen, ist wie ein Rätsel zu lösen." Es gleiche sprachlicher Mathematik, sagt sie. Und wer von Anfang an am Ball bleibe, habe später kaum Schwierigkeiten mit der Sprache. Aufs Übersetzen lateinischer Texte kam es beim Wettbewerb "Certamen Carolinum" zwar auch an, aber nicht nur. Mit einem Vortrag über die Kardinaltugenden überzeugte Heider bei der Endrunde in Aachen die Jury. Weisheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Mäßigung zeichneten seit der Antike einen lobens- und bewundernswerten Menschen aus. Inwiefern diese Eigenschaften bis heute erstrebenswert sind, stellte Alessia Heider der Jury dar. Dass man Mäßigung walten und sich nicht von Geldgier leiten lassen sollte, sei in Bezug auf die Diskussion um Managergehälter immer noch gültig, sagt Heider.

Und Tapferkeit zeichne in Form von Zivilcourage bis heute einen Menschen aus. Das erläuterte sie anhand des Falls Dominik Brunner, der Kinder vor gewalttätigen Jugendlichen schützte und zu Tode geprügelt wurde. "Laut Cicero sind diejenigen, die Unrecht tun, ebenso schlecht wie jene, die Unrecht bemerken und nicht dagegen angehen", erklärt die 17-Jährige. Auch Schüler, denen lateinische Grammatik ein Graus ist, ließen sich für antike Texte begeistern und könnten gut Schlussfolgerungen fürs moderne Leben ziehen, meint Alessia Heiders Leistungskursleiter am NCG, Jörg Schmitter. "Ganz ohne Pauken geht es aber nicht." Pauken für Latein ist keine Last für Alessia Heider. Die Tochter einer Italienerin und eines Deutschen ist zweisprachig aufgewachsen und lernt Fremdsprachen grundsätzlich gerne. Dennoch sitzt sie nicht den ganzen Tag über den Büchern: "Ich mache orientalischen Tanz und gehe genauso gerne shoppen wie Gleichaltrige." Und zu ihrem Erfolg beim "Certamen Carolinum" hätten auch andere beigetragen, sagt sie bescheiden: Lehrer, Eltern und Freunde hörten sich den Vortrag an, gaben ihr Tipps und drückten nicht zuletzt die Daumen für sie. Im Mai kann die Bergisch Gladbacherin ihre Lateinkenntnisse noch einmal beweisen. Mit ihrem Sieg bei "Certamen Carolinum" hat sie sich für den internationalen Wettbewerb "Certamen Ciceronianum" qualifiziert. Sie wird als eine von drei Schülerinnen und Schülern das Land Nordrhein-Westfalen im italienischen Arpino vertreten. Beim dreitägigen Wettbewerb wird sie gegen etwa 530 Schüler antreten, etwa die Hälfte davon sind Italiener. Meistens sind sie es, die gewinnen. Manchmal gibt es aber auch Ausnahmen, wie 2004, als schon einmal eine Schülerin des NCG das internationale "Certamen Ciceronianum" gewann. Die Lehrer, Eltern und Freunde werden Alessia Heider wie schon in Aachen die Daumen drücken, damit erneut eine Bergisch Gladbacherin in Italien siegt.