Nicolaus Cusanus Gymnasium,  Reuterstraße 51, 51465 Bergisch Gladbach

Nicolaus Cusanus – Ein Gelehrter in Zeiten des Neuaufbruchs

Nicolaus Cusanus, der Namensgeber unserer Schule, lebte von 1401 bis 1464 und war als christlicher Theologe einer der wichtigsten Denker der 15. Jahrhunderts. Man nennt diese Epoche heute Renaissance, also Wiedergeburt (der Antike). Die Renaissance war eine Zeit des Aufbruchs und des Umbruches, in der rasante gesellschaftliche Veränderungen mit weltanschaulichen, politischen und sozialen Konflikten einhergingen, die bei allen kulturellen und historischen Unterschieden bisweilen auch hohe Ähnlichkeiten mit Konfliktfeldern unserer Zeit aufweisen.

 

1. Die Renaissance

a) Zusammenprall von Islam und Christentum

Die Renaissance – wie schon das ausgehende Mittelalter – war geprägt vom Zusammenprall der christlichen und der islamischen Kultur, der leider sehr häufig in kriegerische Auseinandersetzungen mündete. Während das oströmische Reich in diesem Jahrhundert von den osmanischen Heeren bedrängt wurde und 1453 schließlich mit der Eroberung von Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) unterging, gelang es im Gegenzug den christlichen Königen in Spanien, die Muslime 1492 nach langen und wechselvollen Auseinandersetzungen endgültig von der Iberischen Halbinsel zu vertreiben. Zur gleichen Zeit und sogar im Zuge dieser Auseinandersetzungen profitierte vor allem das christlich geprägte Europa von den Errungenschaften der technisch oft überlegenen islamischen Welt. Antike Texte (z. B. viele Schriften des Aristoteles), die im Mittelalter verloren gegangen waren, waren in arabischen Übersetzungen erhalten geblieben, wurden nun ins Griechische und vor allem ins Lateinische zurückübersetzt und sorgten für neue denkerische Impulse. Auch in der Kunst und Architektur wurden antike Techniken wiederentdeckt oder neu belebt. Kurz vor oder nach dem Tod des Cusanus sind z. B. so bedeutende Künstler wie Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Raffael geboren.  

 

b) Streitigkeiten auch innerhalb des Christentums

Aber auch innerhalb des Christentums kam es zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen. So forderte der böhmische Theologe Jan Hus, dass die Kirche auf ihre Reichtümer verzichten müsse, und er kritisierte die Vormachtstellung des Papstes. Deshalb wurde er 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt, seine Anhänger wurden in den Folgejahren von der Kirche schwer verfolgt.

 

c) Entdeckerfahrten und Erfindungen

Neben diese weltanschaulichen und kriegerischen Auseinandersetzungen traten weitere Umwälzungen, die in der Folgezeit für einen enormen Modernisierungsschub sorgten. Portugiesische Seefahrer begannen im 15. Jahrhundert mit ihren Entdeckungsreisen entlang der Küste Afrikas, um einen Seeweg nach Indien zu erschließen. Mit demselben Ziel brach Christoph Kolumbus 1492 Richtung Westen auf und entdeckte so Amerika.

Der von Johannes Gutenberg um 1450 entwickelte Buchdruck machte neue Entdeckungen einem immer breiteren Publikum zugänglich, denn die Herstellung von Büchern war nun deutlich billiger geworden. Die von Martin Luther im 16. Jahrhundert in Deutschland angestoßene Reformation hätte wohl kaum ohne die Erfindung des Buchdruckes einen solch durchschlagenden Erfolg gehabt. Und welche Auswirkung gerade die Erfindung neuer Medien für die gesellschaftliche Entwicklung hat, beginnen wir heutzutage rund 30 Jahre nach der Erfindung des Internets vermutlich erst zu ahnen.

 

2. Das Leben des Nicolaus Cusanus

a) Ein junger Startheologe

1401, also am Beginn dieser Zeit des Umbruchs, wurde in dem kleinen Moselstädtchen Kues Nicolaus Cryffzt (=Krebs) geboren. Obwohl er Sohn eines wohlhabenden Moselschiffers und Kaufmannes war, war seine steile Karriere wohl so nicht abzusehen. Es ist bezeichnend für die neue Zeit, dass es Nicolaus gelang, alle Standesgrenzen zu überwinden und als Nicht-Adeliger bis zum Kardinal der katholischen Kirche, ja fast bis zum Papst aufzusteigen. Nach einem ersten Philosophiestudium in Heidelberg studierte er ab 1420 Kirchenrecht im italienischen Padua, ab 1425 wieder Philosophie und nun auch Theologie in Köln und Paris. 1432 wurde Nicolaus de Cusa – wie er sich nun nannte – Gesandter des Bischofs von Trier auf dem Konzil von Basel. Auf dieser Versammlung der Bischöfe und Kardinäle fiel er einerseits durch sein Organisationstalent und seine hervorragende Bildung auf, andererseits machte er durch seinen konstruktiven Umgang mit den kirchenkritischen Hussiten von sich reden. Statt auf gewaltsame Verfolgung der Anhänger des hingerichteten Jan Hus setzte er auf die Kraft der argumentativen Auseinandersetzung. Durch seine Kompromissideen gelang es ihm, zumindest einen Teil der Hussiten wieder mit der Kirche zu versöhnen.

 

b) Vertrauter des Papstes

Diese Leistung war sicherlich einer der Gründe dafür, dass Papst Eugen IV. ihn 1437/38 mit einer Gesandtschaft ins oströmische Reich betraute, um die Verhandlungen über die Wiedervereinigung der seit 1054 getrennten katholischen und orthodoxen Kirchen zu führen. Hier wie auch später liegen Erfolg und Scheitern im Leben des Nicolaus Cusanus nah beieinander: Zwar war es unter seiner Beteiligung gelungen, die ersten Unionsverhandlung erfolgreich abzuschließen, die endgültige Überwindung der Kirchenspaltung scheiterte aber wenige Jahre später an Widerständen in beiden Kirchen. 

 

c) Gescheiterter Reformer

Diesen Misserfolg erlebte Nicolaus allerdings nur aus der Ferne mit, da er zu dieser Zeit schon als päpstlicher Legat durch die deutschen Bistümer reiste, um Bischöfe und Priester zu kontrollieren, Missstände zu beheben und in Streitigkeiten zu vermitteln. Zur historischen Wahrheit gehört in diesem Zusammenhang auch, dass Nicolaus zur Sanierung der Finanzen in einzelnen Diözesen rigorose Maßnahmen gegen die jüdischen Kreditgeber vorschlug. Seine Forderungen riefen solchen Protest bei einigen Bischöfen, Fürsten und Stadträten hervor, dass sie – glücklicherweise – nicht realisiert wurden. 

All seinen in Ansätzen gelungenen Reformbemühungen war allerdings keine Nachhaltigkeit beschieden, und ähnliches musste Nicolaus erleben, als er seine Ideen ab 1450 als Bischof von Brixen in Südtirol in die Tat umzusetzen versuchte. Zwar konnte er die maroden Finanzen seines Bistums sanieren, Gegner seiner Reformvorhaben vertrieben ihn aber schließlich aus Brixen, so dass er fortan als Berater der Päpste Nikolaus V. und Pius II., zu deren engsten Freunden er zählte, in Rom lebte. Nicht ganz ohne Stolz berichtet Nicolaus davon, dass in den ersten Wahlgängen des Konklaves, in dem schließlich Pius II. zum Papst gewählt wurde, auch einige Stimmen der Kardinäle zunächst auf ihn gefallen waren.

 

d) Umso erfolgreicherer Theologe und auch Naturwissenschaftler

Zeit seines Lebens war Nicolaus offen für neue Ideen und bewunderte die technischen Errungenschaften seiner Zeit. Er stand in Kontakt mit den wichtigsten Mathematikern und Astronomen seiner Zeit und besaß selbst eine Vielzahl astronomischer Geräte, die er offensichtlich auch selbst eingesetzt hat. Aus seinen Schriften wird deutlich, dass er als wichtiger Kirchenmann von der Kugelgestalt der Erde und dem heliozentrischen Weltbild überzeugt war, wofür erst knapp 200 Jahre später Galileo Galilei die letzten Beweise liefern konnte. Dass gerade die katholische Kirche Galilei zum Widerruf seiner Ergebnisse zwang, erscheint mit Blick auf die Erkenntnisse des Kusaners umso tragischer.

Auf philosophisch-theologischen Gebiet gilt die von ihm entwickelte und vor allem in seinem Hauptwerk de docta ignorantia (Über die belehrte Unwissenheit) ausgearbeitete Denkfigur der coincidentia oppositorum (Ineinsfall der Gegensätze) als seine wesentliche Errungenschaft. Im Rückgriff auf mathematische Erkenntnisse und Beispiele versucht Nicolaus hier und auch in späteren Schriften, die Erkenntnismöglichkeiten und Grenzen der menschlichen Vernunft auszuloten und gleichzeitig den Glauben an die Existenz Gottes auf dem Forum dieser kritischen Vernunft zu verantworten.

Nicolaus forschte außerdem in Bibliotheken nach alten Handschriften und entdeckte auf diese Weise lange verschollene Werke wieder. Seine umfangreiche Privatbibliothek, die als eine der bedeutendsten seiner Zeit gilt, ist bis auf den heutigen Tag im Cusanus-Stift in Bernkastel-Kues erhalten. Dort befinden sich außerdem – und auch dies zeigt die Modernität des Kusaners – erste gedruckte Bücher aus der Werkstatt des Johannes Gutenberg, von denen einige die einzigen heute noch erhaltenen Exemplare sind.

 

e) Soziale Ideen, Dialog zwischen den Religionen und Tod in Italien

Das Cusanus-Stift selbst ist ein Beweis dafür, dass Nicolaus Cusanus auch in sozialer Hinsicht seiner Zeit weit voraus war, denn in Konzeption und Architektur dieses Altenheimes, das auch sein Altersruhesitz werden sollte, ließ er die modernsten Ideen seiner Zeit einfließen.

Dort im Alter zu leben war Nicolaus allerdings nicht vergönnt. Denn er starb am 11.08.1464 im italienischen Todi, und auch in seinem Tod zeigt sich die Zerrissenheit seiner Person und seiner Zeit: 1453 hatte er sich in seiner Schrift de pace fidei (Über den Religionsfrieden) mit der Vereinbarkeit der Wahrheitsansprüche der verschiedenen Religionen und mit den Möglichkeiten gegenseitiger Toleranz auseinandergesetzt und diese Fragen mit Blick auf das Verhältnis von Christentum und Islam 1460/61 in seinem Werk Cribatio Alkorani (Kritik des Koran) präzisiert. Nicolaus starb aber gerade im Zusammenhang mit den Vorbereitungen eines von Pius II. ausgerufenen Kreuzzuges, während er sich im Auftrag des Papstes um mittellose und erkrankte Kreuzfahrer kümmern sollte. Die Planungen für diesen Kreuzzug brachen vollends zusammen, als drei Tage später auch der Papst selbst starb.

Nicolaus wurde in der seiner Kardinalskirche St. Pietro in Vincoli in Rom bestattet. Sein Herz allerdings ruht bis auf den heutigen Tag in der Kapelle des von ihm gegründeten St. Nikolaus-Stiftes in seiner Heimatstadt Bernkastel-Kues.         

 

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